Wann eine Sonderleuchte sinnvoll ist
Wenn Katalogleuchten Architektur, Maß, Lichtverteilung oder Markenbild nicht treffen: lichtintegrierte Möbel und Raumelemente, Leuchten für denkmalgeschützte Gebäude, Corporate-Design-Leuchten oder Spezialanwendungen mit besonderen optischen Anforderungen.
Die Entwicklungsschritte
- Lastenheft: Lichtaufgabe, gewünschte Lichtverteilung, Lichtstrom, Lichtfarbe, Farbwiedergabe, Blendbegrenzung, Abmessungen, Einbausituation, Schutzart, Stückzahl, Zielkosten.
- Optikauslegung: Auswahl von LED, Linse, Reflektor oder Diffusor; Simulation der Lichtstärkeverteilung. Hier entscheidet sich Effizienz und Blendung.
- Thermik und Elektrik: LED-Lebensdauer hängt stark von der Temperatur ab. Kühlkörper, Betriebsgerät und Dimmschnittstelle (z. B. DALI) werden abgestimmt.
- Prototyp: Funktionsmuster aus 3D-Druck, CNC oder Kleinserienteilen; Bemusterung vor Ort.
- Messung und Daten: Vermessung der Lichtstärkeverteilung und Erstellung von Planungsdaten, damit die Leuchte in DIALux oder Relux berechnet werden kann.
Normen und Konformität
Leuchten bis 1.000 V müssen die Sicherheitsanforderungen der Normenreihe IEC 60598 erfüllen. Teil 1 legt den Grundstock an Anforderungen und Prüfungen fest – Einteilung, Aufschriften, mechanischer und elektrischer Aufbau sowie photobiologische Sicherheit – und gilt immer zusammen mit dem passenden Teil 2 für die jeweilige Leuchtenart [1]. Für das Inverkehrbringen in der EU ist zudem die CE-Kennzeichnung mit den einschlägigen EU-Richtlinien (unter anderem Niederspannung, elektromagnetische Verträglichkeit, RoHS) und den Ökodesign-Anforderungen an Lichtquellen zu berücksichtigen. Welche Prüfungen konkret nötig sind, klären wir im Lastenheft mit dem Hersteller oder Prüfinstitut.
Aktuell ist DIN EN IEC 60598-1 (VDE 0711-1):2022-03, die deutsche Fassung von EN IEC 60598-1:2021 auf Basis von IEC 60598-1:2020; sie wurde durch die Änderung A11:2023-01 ergänzt und 2023 berichtigt [1] [2]. Die Norm gilt für Leuchten bis 1.000 V und immer zusammen mit dem passenden Teil 2 für die jeweilige Leuchtenart; ein Entwurf zur Überarbeitung liegt seit 2024-03 vor [2]. Die Ökodesign-Anforderungen der Verordnung (EU) 2019/2020 gelten auch für Lichtquellen und separate Betriebsgeräte, die in einem umgebenden Produkt – also in der Leuchte – in Verkehr gebracht werden [3].
Ergebnis der Entwicklung
- Lastenheft und dokumentierte Designentscheidungen
- Optik- und Konstruktionsdaten, Stücklisten und Fertigungsunterlagen
- Messprotokolle der Lichtstärkeverteilung und des Lichtstroms
- Planungsdaten im Format EULUMDAT (LDT) und IES für DIALux und Relux
- Technische Unterlagen als Grundlage für Prüfung und Konformitätserklärung des Herstellers
Der Vorteil eines Optik-Ingenieurs
Die meisten Fehler entstehen an der Schnittstelle von Gestaltung und Physik: eine schöne Form, die blendet, oder eine effiziente Optik, die nicht in das Bauteil passt. Wer Optikdesign und Lichtplanung verbindet, entwickelt die Leuchte von der Lichtaufgabe her.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Sonderleuchte bei kleinen Stückzahlen?
Oft ja, etwa als Umbau oder Anpassung bestehender Leuchten. Die Wirtschaftlichkeit klären wir in einer kurzen Machbarkeitsstudie.
Übernehmen Sie die CE-Zertifizierung?
Wir begleiten die Entwicklung normgerecht und bereiten die technischen Unterlagen vor. Prüfung und Erklärung erfolgen durch Hersteller bzw. Prüfstelle.
Welche Daten erhalten wir am Ende?
Lastenheft, Optik- und Konstruktionsdaten, Messprotokolle sowie Planungsdaten (LDT/IES), mit denen die Leuchte in DIALux und Relux berechnet werden kann.
Quellen
- DKE – DIN EN IEC 60598-1:2022-03
- DIN Media – DIN EN IEC 60598-1:2022-03
- EUR-Lex – Verordnung (EU) 2019/2020
Autor: Paul Rostand Ndjeundoun, M.Sc. (Hons), Geprüfter Lichtexperte (LiTG), Registered European Lighting Expert · Stand: November 2026. Normwerte sind sorgfältig recherchiert, ersetzen aber nicht die Einsicht in die jeweils gültige Normausgabe.