Aufbau der Normenreihe
| Teil | Inhalt |
|---|---|
| DIN 13201-1:2021-09 | Auswahl der Beleuchtungsklassen (deutsches Anwendungsdokument) [1] |
| DIN EN 13201-2:2016-06 | Gütemerkmale – definiert die Beleuchtungsklassen und berücksichtigt Umweltaspekte [2] |
| DIN EN 13201-3:2016 | Berechnung der Gütemerkmale |
| DIN EN 13201-4:2016 | Methoden zur Messung der Gütemerkmale |
| DIN EN 13201-5:2016 | Energieeffizienzindikatoren |
DIN 13201-1 ist ein rein nationales Dokument, weil sich die europäischen Mitgliedsländer nicht auf einen gemeinsamen Teil 1 einigen konnten; die Teile 2 bis 5 gelten dagegen in der gesamten EU [3].
Die drei Klassenfamilien
- M-Klassen sind für Fahrer motorisierter Fahrzeuge auf Verkehrswegen mit mittleren bis hohen Fahrgeschwindigkeiten gedacht. Welche M-Klasse anzuwenden ist, hängt von Nutzung, Verkehrsart und Tageszeit ab [1]. Bewertet werden vor allem Fahrbahnleuchtdichte, Gleichmäßigkeit und Blendung.
- C-Klassen gelten vorrangig für Konfliktbereiche, bei denen eine Bewertung über die Fahrbahnleuchtdichte nicht unmittelbar möglich ist, etwa Knotenpunkte und Kreisverkehre [1]. Bewertet wird die Beleuchtungsstärke.
- P-Klassen gelten für Bereiche, in denen motorisierte Verkehrsteilnehmer bis 50 km/h fahren, z. B. Sammel-, Wohn- und Anliegerstraßen sowie Parkstreifen, und für Fußgänger- und Radverkehrsflächen [1].
Innerhalb jeder Familie gilt: Je niedriger die Ziffer, desto höher die Anforderung (z. B. M1 höher als M6, P1 höher als P6).
Wie die Klasse gewählt wird
DIN 13201-1 legt die Auswahl anhand von Parametern fest, etwa Geschwindigkeit, Verkehrsstärke und -zusammensetzung, Knotenpunktdichte, geparkte Fahrzeuge, Umgebungshelligkeit und Kriminalitätsrisiko. Weil sich die Bedürfnisse zu verschiedenen Nacht- und Jahreszeiten ändern können, darf die Klasse auch zeitabhängig wechseln [2]. Genau hier liegt das größte Einsparpotenzial: eine verkehrsarme Nachtstunde muss nicht nach der Spitzenstunde beleuchtet werden.
Neu in der Ausgabe 2021-09 sind die Zuordnung von Straßen- und Wegekategorien zu Beleuchtungsklassen unter verkehrsplanerischen Aspekten, die Wahl unterschiedlicher Klassen im Laufe der Dunkelstunden, adaptive Beleuchtung auf Basis verkehrs- und umgebungsabhängiger Parameter sowie Empfehlungen für vergleichbare Beleuchtungsklassen [4]. Die Norm legt ausdrücklich nicht fest, ob eine Verkehrsfläche beleuchtet werden muss [4].
Ausblick: Überarbeitung der DIN EN 13201-2
Ein Entwurf prEN 13201-2:2026 liegt vor; in Deutschland ist er als Norm-Entwurf DIN EN 13201-2:2026-06 erschienen [5]. Er vereinfacht die Tabellen der M- und P-Klassen und führt für neue Anlagen eine Mindestgleichmäßigkeit U₀ von 20 % ein [6]. Bis zur Veröffentlichung gilt DIN EN 13201-2:2016-06; wir berücksichtigen den Entwurf bei langfristigen Konzepten.
Häufige Fehler in der Praxis
- Pauschal zu hohe Klasse „zur Sicherheit“ – mehr Energie, mehr Lichtverschmutzung
- Klassenwahl nicht dokumentiert – Haftungsrisiko für den Straßenbaulastträger
- Neue Leuchten ohne Nachrechnung an alte Mastabstände gesetzt
- Konfliktbereiche (C) nicht gesondert betrachtet
Was wir für Kommunen tun
Straßenkategorisierung und dokumentierte Klassenwahl, Lichtberechnung nach Teil 3, Kontrollmessungen nach Teil 4 und ein Beleuchtungskonzept mit Dimmprofilen.
Häufige Fragen
Ist DIN EN 13201 gesetzlich vorgeschrieben?
Normen sind nicht per se Gesetz, gelten aber als anerkannte Regeln der Technik und sind im Haftungsfall maßgeblich. Eine dokumentierte, normgerechte Planung schützt die Kommune.
Muss jede Straße beleuchtet werden?
Die Beleuchtungspflicht ist landesrechtlich und über die Verkehrssicherungspflicht geregelt und unterscheidet sich. DIN EN 13201 regelt, wie beleuchtet wird, wenn beleuchtet wird.
Darf die Beleuchtungsklasse nachts gewechselt werden?
Ja. DIN 13201-1 erlaubt, für verschiedene Zeiträume der Dunkelstunden unterschiedliche Beleuchtungsklassen zu wählen. Das ist die normative Grundlage für Dimmprofile.
Quellen
- Baunormenlexikon – DIN 13201-1:2021
- DIN Media – DIN EN 13201-2:2016-06
- licht.de – DIN 13201-1:2021-09
- DIN Media – DIN 13201-1:2021-09
- DIN – Entwürfe des Normenausschusses Lichttechnik
- iTeh Standards – prEN 13201-2:2026
Autor: Paul Rostand Ndjeundoun, M.Sc. (Hons), Geprüfter Lichtexperte (LiTG), Registered European Lighting Expert · Stand: November 2026. Normwerte sind sorgfältig recherchiert, ersetzen aber nicht die Einsicht in die jeweils gültige Normausgabe.