Worum es in der Norm geht
DIN EN 17037 legt Grundlagen für einen hinreichenden subjektiven Helligkeitseindruck durch Tageslicht und eine ausreichende Aussicht fest und enthält Empfehlungen zur Besonnungsdauer in Aufenthaltsräumen. Die Ausgabe 2022-05 ersetzt die Fassung von 2019 [1]. Die Norm unterscheidet die drei Stufen gering, mittel und hoch; die mindeste Empfehlungsstufe sollte angegeben werden [1].
Tageslichtversorgung: die drei Stufen
Für Tageslichtöffnungen in vertikalen und geneigten Flächen gilt [2]:
| Stufe | Zielwert ET auf 50 % der Fläche | Minimaler Zielwert ETM auf 95 % der Fläche | Anteil Tageslichtstunden |
|---|---|---|---|
| Gering | 300 lx | 100 lx | 50 % |
| Mittel | 500 lx | 300 lx | 50 % |
| Hoch | 750 lx | 500 lx | 50 % |
Eine Stufe ist erreicht, wenn beide Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind [2]. Der Nachweis erfolgt rechnerisch, entweder über Klimadaten des Standorts oder vereinfacht über den Tageslichtquotienten.
Die weiteren Kriterien
- Aussicht: bewertet Blickwinkel, Sichtweite und die Zahl der sichtbaren Ebenen (Himmel, Landschaft/Bebauung, Boden).
- Besonnungsdauer: Empfehlung, wie lange ein Aufenthaltsraum an einem Stichtag direkte Sonne erhalten soll – relevant etwa für Wohnungen, Krankenhauszimmer und Kitas.
- Blendschutz: Schutz vor Blendung durch Sonne und Himmel, meist über Sonnen- und Blendschutzsysteme.
| Stufe | Aussicht: horizontaler Sichtwinkel / Außensichtweite / Ebenen | Besonnungsdauer am Stichtag | Blendschutz (DGP, max. 5 % der Nutzungszeit überschritten) |
|---|---|---|---|
| Gering | ≥ 14° / ≥ 6 m / 1 | ≥ 1,5 h | 0,45 |
| Mittel | ≥ 28° / ≥ 20 m / 2 | ≥ 3 h | 0,40 |
| Hoch | ≥ 54° / ≥ 50 m / 3 | ≥ 4 h | 0,35 |
Zusammenstellung nach [2] [3]; die Aussichtskriterien gelten jeweils für mindestens 75 % der genutzten Fläche [2].
Der Stichtag für die Besonnung kann zwischen dem 1. Februar und dem 21. März gewählt werden; der Bezugspunkt liegt mindestens 1,2 m über dem Fußboden und 0,3 m über der Fensterbrüstung [2]. Nach dem Zurückziehen von DIN 5034-1 empfiehlt die LiTG die Stufe „gering“ als Mindestanforderung an die Besonnung, für Wohn- und Kinderzimmer sowie Kitas die Stufe „mittel“ mit 3 Stunden [4]. Blendung wird über die Tageslichtblendungswahrscheinlichkeit DGP in einer Jahressimulation bewertet [5].
Warum frühe Planung entscheidet
Fenstergröße, Raumtiefe, Brüstungshöhe, Verglasung und Verschattung durch Nachbarbebauung legen die Tageslichtqualität fest. Diese Parameter werden in Vorplanung und Entwurf bestimmt. Eine Tageslichtsimulation in dieser Phase zeigt, ob die vereinbarte Stufe erreicht wird, und vermeidet teure Nachbesserungen. Zugleich lässt sich der Kunstlichtbedarf und damit der Energieverbrauch reduzieren.
Häufige Fragen
Ist DIN EN 17037 verpflichtend?
Die Norm ist nicht automatisch bauordnungsrechtlich eingeführt. Sie wird verbindlich, wenn sie vertraglich vereinbart oder in Zertifizierungssystemen gefordert wird.
Welche Stufe ist für Wohnungen sinnvoll?
Die Norm legt das nicht fest. In der Praxis wird für Aufenthaltsräume häufig mindestens die Stufe „gering“ angestrebt; die Festlegung erfolgt projektbezogen.
Quellen
- Baunormenlexikon – DIN EN 17037:2022-05
- FVLR – Leitfaden DIN EN 17037
- REHVA Journal – EN 17037 a step forward
- LiTG-Publikation 53 – Planungshinweise Innenraumbeleuchtung und Tageslicht
- Deutsches Architektenblatt – Tageslicht nach DIN EN 17037
Autor: Paul Rostand Ndjeundoun, M.Sc. (Hons), Geprüfter Lichtexperte (LiTG), Registered European Lighting Expert · Stand: November 2026. Normwerte sind sorgfältig recherchiert, ersetzen aber nicht die Einsicht in die jeweils gültige Normausgabe.